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„Kirche ist größer als Gemeinde“

Externe Beobachter spiegeln Gesamteindruck

Paderborn, 29. Juni 2013. Wie schon am ersten Arbeitstag der Diözesanen Pastoralwerkstatt gaben auch am Samstag externe Resonanzgeber ein Feedback zu ihren Beobachtungen des Werkstattgeschehens. Prof. Dr. Maria Neubrand MC, Prof. Dr. Hans Hobelsberger und Prof. Dr. Martin Lörsch schilderten prägnant ihre Eindrücke.  

„Die Gemeinde ist noch zu sehr als mentales Modell in den Köpfen verankert, so dass viele gute Ideen gebremst werden.“ – Mit diesem Eindruck beschrieb Prof. Dr. Hans Hobelsberger seine Beobachtungen aus der Diözesanen Pastoralwerkstatt. Oft werde die Forderung nach mehr Partizipation geäußert, dies jedoch nur vor dem Horizont der Gremienarbeit diskutiert. Partizipation heiße mehr als nur Arbeit in den Gremien.

Als dringende Empfehlung für den Alltag nach der Pastoralwerkstatt legte Prof. Dr. Hobelsberger den Teilnehmern ans Herz, sich immer wieder neu die Frage zu stellen: Wofür gibt es Kirche eigentlich? Die Antwort darauf müsse stets in einer Zuwendung zur Welt gesucht werden, um hier die Liebe Gottes sichtbar zu machen. Dieser immer gültige Auftrag von Kirche sei von ihrer jeweiligen Sozialform losgelöst zu betrachten. Prof. Dr. Hobelsberger brachte dies prägnant auf den Punkt: „Kirche ist größer als Gemeinde und Pastoral ist größer als Gemeinde.“

Prof. Dr. Maria Neubrand MC schilderte das Geschehen bei der Pastoralwerkstatt als sehr energiegeladen: „Ich habe hier in den vergangenen Tagen eine sehr kommunikative Gemeinschaft erlebt, die engagiert zusammen gearbeitet hat“, so Prof. Dr. Neubrand. Trotz vieler wertvoller Diskussionen habe sie jedoch den Eindruck gewonnen, dass ein zu stark binnenkirchliches Denken die Gespräche geprägt habe und die „Welt außen vor geblieben“ sei. Sehr häufig habe im Mittelpunkt gestanden, wie das Vorhandene in der Pastoral optimiert werden könne anstatt ganz neue Ansätze und Wege zu denken, um den Auftrag der Kirche zu verwirklichen.

Als „positives Wirken des Geistes“ hob Prof. Dr. Neubrand hervor, dass vielfach auch das ausgesprochen wurde, was Angst mache: „Das kann auf eine gute Spur führen!“ Zudem habe sie beobachten können, dass Teilnehmer der Bistumsleitung wie selbstverständlich in den Arbeitsgruppen mitgemacht und diskutiert haben. „Dies dürfen Sie getrost als Signal einer großen Offenheit für Ihre Anliegen vor Ort betrachten“, schloss Prof. Dr. Neubrand ihr Resümee.

„Erzbischof Hans-Josef Becker hat Ihnen allen als Berater sein Vertrauen geschenkt, als er sie zur Diözesanen Pastoralwerkstatt eingeladen hat. Dieses Vertrauen haben sie ihm durch ihre Arbeit zurückgegeben“, brachte Prof. Dr. Martin Lörsch seine Eindrück auf den Punkt. Dadurch komme eine „Kultur des Respekts und des Vertrauens“ zum Ausdruck, die für den weiteren diözesanen Pastoralprozess unabdingbar sei.

Ähnlich wie Prof. Dr. Neubrand empfahl Prof. Dr. Lörsch den Teilnehmenden, nicht nur die Optimierung des Bestehenden im Blick zu haben, sondern nach Möglichkeiten zu suchen, auch aus wenig viel zu machen: „Jesus hat es bei der wundersamen Brotvermehrung doch vorgemacht. Lassen Sie sich davon inspirieren!“, forderte Prof. Dr. Lörsch die Zuhörer auf und fuhr fort: „Versuchen Sie nicht, mit Lösungsmodellen von gestern die Probleme von heute zu bearbeiten.“

In diesem Sinne legte er den Teilnehmern nahe, intensiv der eigenen Taufberufung nachzuspüren und damit in der konkreten Lebenswirklichkeit vor Ort zu wirken. „Nehmen Sie die Diözesane Pastoralwerkstatt mit in die Fläche zu sich nach Hause und lassen Sie sie dort wirken!“, schloss Prof. Dr. Lörsch seinen Rückblick ab.