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Expeditionen in andere Kontexte - Lernen von Externen

Externe Gesprchspartner und Moderatoren vor dem Tagungsort der Dizesanen Pastoralwerkstatt. V.l.n.r.: Dr. Gundo Lames, Msgr. Dr. Michael Bredeck, Albert Schmitt, Tilman Rauh, Friedhelm Schlitt, Jutta Tacke und Dr. Peter Schwidtal.Foto: pdp Paderborn, 27. Juni 2013. Wie gehen andere Institutionen mit den Herausforderungen in Veränderungsprozessen um? Diese Frage stand am Donnerstagnachmittag im Mittelpunkt der Arbeitsgruppen der Diözesanen Pastoralwerkstatt. Zu den vier Perspektivbereichen „Taufberufung fördern – Katechese, Gottesdienst und Sakramente“, „Ehrenamt – Engagement aus Berufung“, „Pastorale Orte und Gelegenheiten – missionarisch Kirche sein“ sowie „Caritas und Weltverantwortung – diakonisch handeln“ gab es Impulse von Gesprächspartnern aus unterschiedlichen Bereichen.

Über ihre Vorgehensweisen in Veränderungsprozessen sprachen Albert Schmidt, Managing Director der Deutschen Kammerphilharmonie, Tilman Rauh, stellvertretender Leiter des WDR-Studios Bielefeld, Friedhelm Schlitt, Manager des Filialnetzes der Deutschen Post / DHL und Dr. Peter Schwidtal, Vorsitzender von ARCHEMED, Ärzte für Kinder in Not e.V. Die Arbeitsgruppen begannen mit einer szenischen Bibelarbeit, da „biblische Szenarien die Grundlage allen pastoralen Handelns bilden“.                    

 

Perspektivbereich: Taufberufung fördern

Ein Veränderungsprozess sollte niemals abgeschlossen werden, es sollten möglichst keine Stabilitäten aufgebaut werden, denn sie würden das Ausschöpfen des eigenen Potentials beschränken, sagte Albert Schmitt im Podiumsgespräch zum Perspektivbereich „Taufberufung fördern – Katechese, Gottesdienst und Sakramente. „Wichtig für uns ist eine ‚lebendige Erneuerung‘, die für uns zum Konzept geworden ist.“ Albert Schmitt studierte Kontrabass, Musikwissenschaft, Pädagogik und Dirigieren und ist heute Managing Director der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

Den Funken der Lebendigkeit zu entdecken und zu transportieren, sei in Vernderungsprozessen zentral, sagte Albert Schmitt.Foto: pdp Im Gespräch mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Diözesanen Pastoralwerkstatt gab er als externer Gesprächspartner Einblicke in Herausforderungen und Vorgehensweisen in Veränderungsprozessen. Aus bekannten Denkmustern und dem bereits Erreichten auszusteigen sei Voraussetzung, um Neues erfahren zu können, so Schmitt. „Sich auszuruhen auf dem Erreichten, bringt nicht weiter, man muss aus den Strukturen aussteigen.“ Dabei sei es lohnend, sich mit anderen zusammen zu tun und gemeinsam zu Neuem aufzubrechen.

Die richtig guten Ideen würden sich dadurch auszeichnen, dass sie Widerstand hervorrufen würden, doch durch die gemeinsame Begeisterung könne man weiter kommen. An der eigenen Begeisterung müsse permanent gearbeitet werden, ebenso wie in einer Beziehung. „Mit der Kirche haben wir als Musiker und Orchester die Parallelität, dass unser Publikum nicht ständig wächst. Wir haben den Anspruch an uns, dass etwas passiert, dass sich etwas entwickelt und verändert bei uns.“ Es sei wichtig, den Funken der Lebendigkeit zu entdecken und zu transportieren, so Schmitt.

   

Perspektivbereich: Ehrenamt –Engagement aus Berufung

„Wir müssen viel mehr die Fähigkeiten und Begabungen in jedem Einzelnen entdecken und fördern“, sagte Tilman Rauh, stellvertretender Studioleiter beim WDR in Bielefeld, während der Gruppenarbeit zum Perspektivbereich „Ehrenamt – Engagement aus Berufung“. Befragt von Moderatorin Jutta Loke und aus dem Publikum berichtete Tilman Rauh über seine Arbeit beim WDR und den in Bielefeld angestoßenen Reformprozess.

Tilman Rauh berichtete als externer Gesprchspartner ber den Vernderungsprozess beim WDR in Bielefeld.Foto: pdp „In meinem jugendlichen Eifer habe ich gesagt: Wir machen jetzt alles anders und ich weiß schon wie“, erinnerte er sich an seinen Start im Landesstudio vor dreieinhalb Jahren. Doch er habe gelernt, dass man Mitarbeiter einbinden, überzeugen und befähigen muss. „Ich muss Verantwortung abgeben können, Mitarbeiter müssen Spielraum und Vertrauen zum Ausprobieren bekommen“, so Rauh. Auf den Mitgliederrückgang in der Kirche und das Erfolgsmodell „1Live“ zur Ansprache junger Menschen angefragt sagte Rauh: „Geben sie den Jüngeren mehr Verantwortung, es müssen nicht immer die Älteren entscheiden.“  

 

Perspektivbereich: Pastorale Orte und Gelegenheiten  

Im Perspektivbereich „Pastorale Orte und Gelegenheiten – Missionarisch Kirch sein“ war das Unternehmen „Deutsche Post“ in Person von Friedhelm Schlitt zu Gast. Schlitt ist Diplom-Verwaltungswirt und Experte für das Filialnetzmanagement. Als regionaler Politikbeauftragter ist er außerdem Ansprechpartner der Politik zur postalischen Infrastruktur in Hessen und Ostwestfalen. Friedhelm Schlitt schilderte die Umstrukturierung im Filialbereich, mit der die Deutsche Post im Jahr 1993 begonnen habe. Um Kundennähe und kundengerechte Öffnungszeiten zu gewährleisten, sei man zur Zusammenarbeit mit Partnerfilialen übergegangen, in denen eine erweiterte Palette an Produkten angeboten werde. 2011 habe man diesen Prozess erfolgreich abgeschlossen.

Friedhelm Schlitt empfahl der Kirche, flexibel zu reagieren und offen zu sein fr Neuerungen.Foto: pdp Als Marke sei die Post trotz der Kooperation mit externen Experten nach wie vor an der gelben Farbe und dem Posthorn-Logo erkennbar. Dies sei eigenständig, unverwechselbar und gebe dem Kunden Orientierung. Zudem könne jeder Kunde über eine Internetplattform leicht herausfinden, wo sich die nächste Filiale befinde. Für die Deutsche Post sei diese Umstrukturierung erfolgreich gewesen, stellte Schlitt abschließend fest.

Der Kundenmonitor Deutschland habe gezeigt, dass das Unternehmen durch die Zusammenarbeit mit den Partnerfilialen ein hohes Qualitätsniveau erreicht habe. Der katholischen Kirche gab er die Empfehlung, dass kein System, Format oder Angebot einer festen Statik unterliegen solle, sondern flexibel reagieren und offen für Neuerung sein müsse. Im Anschluss hatten die Teilnehmer Gelegenheit, auf das Statement von Friedhelm Schlitt zu reagieren. Die Kirche müsse ähnlich wie die Filialen der Deutschen Post vor Ort präsent sein, lautete eine erste Reaktion. Ein Teilnehmer stellte die Frage, mit welchen „Partnerfilialen“ die Kirche wohl zusammenarbeiten könne und ob die evangelischen Kirchen nicht die ersten „Partner“ für eine Kooperation seien. Ein weiterer Teilnehmer gab zu bedenken, dass auch Kooperationspartner Vorteile von einer Zusammenarbeit mit der Kirche haben könnten.          

 

Perspektivbereich: „Caritas und Weltverantwortung“  

Im Perspektivbereich „Caritas und Weltverantwortung“ berichtete Dr. Peter Schwidtal, Internist aus Soest, über seine Arbeit als Vorsitzender von ARCHEMED - Ärzte für Kinder in Not e.V. in Eritrea. Er selbst beschrieb sich als Arzt, der aus seiner Berufung als Christ heraus handle: „Christsein findet nicht nur zu Weihnachten statt, sondern es will im Alltag gelebt werden“, sagte der Internist.

Dr. Peter Schwidtal berichtete als externer Gesprchspartner von seiner Arbeit fr die Hilfsorganisation ARCHEMED – rzte fr Kinder in Not e. V.Foto: pdpSeine Strategie für sein caritatives Engagement in Afrika: Offenheit für die Probleme dieser Welt haben, anpacken und den Mut haben, Dinge einfach zu wagen: „Man muss Antennen für Chancen haben und dann zupacken, wenn sie sich ergeben. Natürlich kann man auch scheitern, aber ohne den Mut zum Risiko gelingt nichts“, so Dr. Schwidtal. Dr. Schwidtal berichtete, dass seine Organisation von vielen Helfern getragen werde. Gerade viele Arztkollegen im Ruhestand seien Kräfte, von deren Erfahrung und Weisheit ARCHEMED immer wieder profitiere. Als Tipp gab Dr. Peter Schwidtal den Teilnehmern für ihre Arbeit im kirchlichen Kontext mit auf den Weg: „Versuchen Sie nicht, alles zu planen. Haben Sie den Mut, Dinge von selber wachsen zu lassen. Und nehmen Sie den kreativen Imput jedes Einzelnen ernst.“